blogage.de > sniker > *Click* > Eintrag > 12. November 2007 > Tschernobyl - Fotos aus der Zone
  De | En | Anmelden | Login

Der GAU von Tschernobyl war nicht nur eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der Welt. Bis heute leiden Menschen an den Nachwirkungen der Strahlung und immer noch sind riesige Landstriche stark strahlenbelastet. Weil mich das Thema auch persönlich interessiert habe ich eine Sammlung von beeindruckenden und bewegenden Bildern zusammengestellt.

Die Katastrophe von Tschernobyl [...] ereignete sich am 26. April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Stadt Prypjat, Ukraine (damals Sowjetunion) als Folge einer Kernschmelze und Explosion im Kernreaktor Tschornobyl Block IV. Sie gilt als die zweitschwerste nukleare Havarie [...] und war eine der größten Umweltkatastrophen überhaupt.

[...]

Große Mengen an radioaktiver Materie wurden in die Luft geschleudert und verteilten sich hauptsächlich über die Region nordöstlich von Tschornobyl, aber auch über viele Regionen Europas. Der Unfall führte bei einer nicht genau bekannten Zahl von Menschen zum Tod. Auch bei anderen Erkrankungen wird die Strahlung als mögliche Ursache angesehen.

Quelle: Wikipedia

tschernobyl_unglueck
Foto von dinab - CC-Lizenz

Fünf Tage später wurde ich geboren - pünktlich mit Ankuft des Caesium-137, dass nach der Explosion in der Ukraine, mit dem Wind über weite Teile Europas und Asiens sowie der restlichen Welt verteilt wurde. Das Caesium erreichte den Teil Frankreichs in dem meine Eltern zu der Zeit waren etwa zur Mittagszeit. Wenn die Animation der IRSN korrekt ist, aber kaum den Teil, in dem wir uns aufhielten. Ich wurde am Morgen des ersten Mai ungefähr vier bis fünf Wochen zu früh geboren. Ob hier ein Zusammenhang besteht, kann ich nicht sagen. Sollte die Darstellung der IRSN korrekt sein, ist es jedoch wenig wahrscheinlich. Das Problem hierbei ist allerdings, dass sich die Berechnungen bezüglich der ausgestoßenen Mengen an radioaktivem Materials von Studie zu Studie stark unterscheiden. Welche Studie am akkuratesten ist, wird sich wahrscheinlich niemals mit Sicherheit sagen lassen.

Meine Eltern hatten es anscheinend zufällig geschafft zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu sein. Andere Teile Frankreichs waren sehr viel stärker belastet. Auch nach meiner Geburt blieben sie noch einige Tage in Frankreich, so dass sie erst nachdem die Caesium-Wolken wieder abgezogen waren, nach Deutschland zurück fuhren. Andere Menschen, besonders in der Ukraine, Russland und Belarus, hatten nicht so viel Glück.

Ich interessiere mich bis heute für den Unfall und seine Folgen, welche nach wie vor stark umstritten sind. Ich habe deshalb eine Sammlung von Fotografien der Gegend zusammengestellt. Nicht nur die landschaftlichen Veränderungen, wie die typischen Geisterstädte, die nach und nach von der Natur zurückerobert werden, beeindrucken mich immer wieder. Bewegend sind vor allem die Aufnahmen der Menschen, die der Strahlung ausgesetzt waren - besonders jene, die zu der Zeit noch nicht geboren waren.

Bilder der Zone

pripyat_geisterstadt
Foto von Casey Bisson - CC-Lizenz

Die so-genannte Zone bzw. gesperrte Zone ist das Gebiet um den Kernreaktor von Chernobyl, aus dem nach dem GAU die Menschen evakuiert und nicht wieder hineingelassen wurden. Zunächst umfasste die Zone gerade einmal 10 km um den Reaktor herum. Wenige Tage später wurde sie auf 30 km ausgeweitet. Heute ist die gesperrte Zone noch erheblich größer und umfasst laut Wikipedia ein Fläche von etwa 4.300 km² (Karte der Zone). Sie liegt zu etwa gleichen Teilen in der Ukraine und in Belarus. Die Stadt Pripyat, die für die Arbeiter des Kraftwerks errichtet wurde und noch näher an dem Atomkraftwerk liegt als Chernobyl selbst, ist der Ort an dem viele der Geisterstadt-Fotos entstehen. Die Zone ist zwar bis heute gesperrt, es werden allerdings wieder Arbeiten am Sarkophag durchgeführt, um ihn vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Es werden heute auch geführte Touren in die Sperrzone gemacht. Während solcher Touren entstehen die meisten Bilder, die man im Internet findet.


  • The Chernobyl Exclusion Zone zeigt eine sehr schöne Sammlung von Fotos von David McMillan. Es gibt einige Bilder aus Pripyat - Landschaft, Innenräume, Kindergärten und Schulen - sowie Bilder aus der Umgebung des Atomkraftwerks und Chernobyl selbst. Sehr empfehlenswert!
  • Natürlich gibt es auch auf dem ohnehin sehr interessante Blog namens English Russia Bilder aus der Zone. Lost City of Chernobyl (Alexandr Vikulov) und More Chernobil (Valkorn) sind ebenfalls zwei sehr beeindruckende Sammlungen von Fotos.
  • Auch auf flickr gibt es eine Gruppe mit Fotos aus Chernobyl. Die Bilder sind ebenfalls sehr beeindruckend und zahlreich. Man sollte sich zum angucken ein paar Minuten Zeit nehmen.
  • Die Bilder von Oscar Mannbro gefallen mir gut, weil viele der bereits aus anderen Fotos bekannten Orte aus anderen Perspektiven gezeigt sind. Es finden sich auch ein paar weniger typische Fotos der Region.
  • Strahlende Orte ist ein Projekt, dass von Sergey Abramchuck und Vitali Shkliarou ins initiert wurde. Sie selbst waren im Kindesalter Zeugen der Katastrophe. Zusammen mit sieben Künstlern und zwei Fotografen sind sie im Oktober 2005 in die Zone gefahren. Sie haben dort Wände bemalt und die Bilder im Kontext fotographisch festgehalten.
  • Auch BBC hat eine sehr schöne Fotostrecke von Bildern der Fahrzeugfriedhöfe um Chernobyls Atomkraftwerk. Hier verrosten die Fahrzeuge, die bei den Aufräumarbeiten kurz nach dem Unfall so stark verstrahl wurden, dass sie heute unbenutzbar sind.

Opfer der Strahlung

tschernobyl_opfer
Foto von MediaStorm - CC-Lizenz

Die gesundheitlichen Folgen sowie die genauen Opferzahlen der Strahlung und der radioaktiven Belastung, die von dem explodierten Reaktor Block IV ausgingen und gehen, sind bis heute stark umstritten. Bis auf den starken Anstieg der Fälle von Schilddrüsenkrebs in der Region um den Reaktor und ca. 47 Todesfälle unter den Aufräumarbeitern durch die akute Strahlenbelastung werden die genauen Opferzahlen des Unfalls auf politischer sowie wissenschaftlicher Ebene kontrovers diskutiert.


  • Beim Anblick der Bilderserie Chernobyl Legacy von Paul Fusco stellt sich mir aber die Frage, ob selbst genaue Opferzahlen die Konsequenzen der Katastrophe angemessen wiedergeben können. Zum Zeitpunkt des Unfalls ungebornen Kinder, die der Strahlung im Bauch der Mutter ausgesetzt waren, wurden z.T. stark deformiert oder geistig behindert geboren - wenn sie überhaupt lebend geboren wurden. Die Schwarz-Weiß-Fotos sind sehr bewegend und von gesprochenen Erläuterungen begleitet. Ebenfalls sehr empfehlenswert!
  • Nuclear Nightmares ist eine Serie von Fotos von Robert Knoth. Auch seine schwarz-weißen Arbeiten beschäftigen sich mit den gesundheitlichen Folgen der Strahlung. Er portraitiert einige "Kinder von Tschernobyl", die überlebt haben und auch solche, die es nicht geschafft haben. Zu jedem Bild gibt es auch hier kurze Einblicke in den Hintergrund der Geschädigten.

Links zum Thema:





Querverweise (Trackbacks)

Trackback-Adresse http://click.blogage.de/trackback/add/914



Noch keine vorhanden.

Kommentare Help Feed

vor 4 Jahren

Danke. Nicht nur sehr informativ, sondern auch tief beeindruckend.

Kuna (Anonym)
vor 3 Jahren

das ist eine super seite und sehr informativ

vor 3 Jahren

Danke.

vor 3 Jahren

 Gegen das Vergessen! THX!

In Zeiten der steigenden Energiepreise, ist es verführerischer denn je auf Atomstrom zu setzen. Deshalb ist es um so wichtiger zu erinnern und Fragen zu stellen.

Allein schon dieses Szenario  9/11 meets AKW ...

 

mark (Anonym)
vor 2 Jahren

HALLO FREUNDE

ICH WOLLTRE EUCH NUR SAGEN DAS ICH EURE IDEE RICHTIG GEIL FINDE UND NATÜRLICH HAB ICH HIER ÜBERHAUPT KEINE AHNUNG WORUM ES HIER GEHT

kathrin (Anonym)
vor 2 Jahren

 So eine Kstastrophe sollte nie vergessen werden!

Aber Menschen haben immer nur Provit im Kopf und billiger und schneller.

Alles andere zählt nicht mehr. Was ist schon ein Menschenleben? Im Gegensatz zu Geld ist es wohl nichts mehr Wert. Leider.

Es ist so traurig, was passsiert und und ich hoffe, soetwas wird auch nciht mehr passieren!

Nadine 16. (Anonym)
vor 2 Jahren

 Meiner Meinung nach sollte die umweltkatastropfe nicht weniger schlimm gemacht werden als Sie ist ..!

Seid dem ich mich mit dem Thema befasse, wird mir immer mehr bewusst was dies alles für schaden angerichtet hat und welche auswirkungen es heute noch hat .

Ich verstehe nicht wie Menschen in Zone 3 noch leben können ?

Benjamin (Anonym)
vor 2 Jahren

Diese Bilder müsste man den Atombefürwortern jeden tag paar mal vorspielen.Vielleicht merken sie dann welch eine Scheiße sie bauen. Mag zwar eine saubere Sache sein, wie sie immer sagen. Bis wieder etwas passiert bzw. die Müllentsorgung ist genau so schlimm (ASSE)

Anonym (Anonym)
vor einem Jahr

Atom kraft  Neindanke .das ist echt hart

Natascha (Anonym)
vor einem Jahr

Wenn die Menschen weiterdenken würden und nicht so verwöhnt wären mit dem Atomstrom.Alle wollen alles aber was es für Risiken es gibt (geben kann) interessiert kein Schwein.

Echt schade für unsere Welt und die nächsten Generationen



Kommentieren


(nicht erforderlich)

Bitte trage den weißen Text in das Textfeld "Code" ein (Spamschutz).

D t 4 6 Y