Die Presse und das Urheberrecht | 10.03.2008 |
In den vergangenen Monaten wurden mehrfach Fotos von mir von diversen Medien zur Berichterstattung verwendet. Ich habe mich darüber natürlich gefreut. Soweit so gut. Einher mit der Verwendung meiner Fotos ging aber in jedem dieser Fälle Ärger darüber, wie unbedarft die Presse teilweise mit dem Urheberrecht von Fotografen umzugehen scheint.
Der Fotokalender und die Presse
Im Rahmen des Fotokalender-Projektes zu Gunsten der CFIDS-Kranken Düsseldorfer Studentinnen wurde eines meiner Fotos mehrfach in diversen Medien präsentiert. So wurde das Bild im WDR Fernsehn und bei einem mehrfach ausgestrahlten RTL-Beitrag gezeigt und auch die BILD Düsseldorf hat das Bild abgedruckt. Neben meinem Bild wurden natürlich auch die anderer am Kalender mitwirkender Fotografen gezeigt. Jedoch wurde dabei nicht einer von uns namentlich erwähnt, obwohl in allen Fällen eine kleine Namensnennung problemlos gewesen wäre.
Einführung in die BILD-Rechte
Nachdem ich mir die erste BILD meines Lebens gekauft hatte, war ich etwas überrascht, dass keiner der Fotografen, deren Bilder hier abgedruckt worden waren, namentlich erwähnt worden war. Lediglich der BILD-Fotograf, der das kleinen Fotos von Initiator Cristof Judenau gemacht hat.
Nachdem ich mich mit Daniel Brinckmann unterhalten hatte, dessen Bild der Aufmacher für den Artikel war, erfuhr ich, dass ihn die Düsseldorfer Redaktion auf einen Anruf hin eingeladen habe und dass man als Entschuldigung einen weiteren Artikel über ihn veröffentlichen wolle.
Als ich die Redaktion anrief, hatte ich keine Hoffnungen, dass man mir ebenfalls einen weiteren Artikel widmen würde. Mir hätte eine mündliche Entschuldigung gereicht. Stattdessen musste ich mir aber anhören, dass es nicht die Schuld der Redaktion sei, da sie keine Namen von Herrn Judenau bekommen hätte. Bei den über 500 täglich eingesendeten Bildern könne man zudem nicht bei jedem einzelnen die Lizenz überprüfen. Ich unterhielt mich wohlgemerkt mit dem Foto-Verantwortlichen der Redaktion.
Dass dies bei jedem einzelnen der Fotos überprüft wird, verlangt denke ich, auch niemand. Aber bei den geschätzten 60 Fotos, die jeden Tag veröffentlich werden, könnte man sich doch vielleicht die Mühe machen, sich zu informieren. Ein kurzer Anruf bei Cristof hätte genügt.
Cristof Judenau schrieb mir auf Nachfrage in einer Mail Folgendes:
Zitat:
Ich habe immer alle Bilder mit den Namen rausgegeben, auch die BILD hatte den Namen im Dateinamen drin; warum die's nicht übernommen haben, keine Ahnung, da jetzt noch was zu regeln, halte ich aber für unwahrscheinlich..
Ich beließ es dabei, denn ich teilte Cristofs Einschätzung. Während des Telefonats mit der Redaktion bekam ich den Eindruck, man wolle mir sagen, "Verklagen Sie uns doch."
Ähnliche Probleme mit der WZ
Rena Cimen, deren Foto in der Westdeutschen Zeitung abgedruckt wurde, macht ähnliche Erfahrungen.
Zitat:
Ich habe da angerufen und die Frau am Telefon meinte, dass sie sich darum kümmere - war super lieb und alles - und dass sie sich am Nachmittag nochmal melden würde. Dann am Nachmittag ruft mich eine andere zurück, die dann meinte, welches Problem ich denn mit dem Artikel hätte [...] wieso mein Name da stehen müsste und was ich damit zu tun hätte
Auf die Antwort hin, dass sie die Fotografin sei, bekam Rena das gleiche zu hören, wie ich schon von der BILD: Man habe keine Namen erhalten. Sie solle sich nicht so anstellen, sagte man ihr. Die Namen der Modelle wurden übrigens abgedruckt, was auf Grund der Gefahr von Stalking eigentlich gar nicht gemacht werden sollte.
Bei den Redaktionen der Fernsehsendungen habe ich es gar nicht erst versucht. Ich schrieb sie lediglich an, ob ich die Mitschnitt der Fernsehbeiträge auf meinem Blog veröffentlichen dürfte. Auf eine Antwort warte ich bis heute.
Die bewährten WDR-Online-Standards
Besonders aber musste ich mich über 1LIVE bzw. den WDR ärgern. Ich habe vor einiger Zeit für die Band Metrophon neben Fotos von Auftritten auch ein paar Promotion-Fotos gemacht. Die noch relativ neue Band bekam dann im Januar die Möglichkeit, sich im Rahmen der Sendung Heimatkult auf 1LIVE einem größeren Publikum mit einem kurzen Interview und einem Song zu präsentieren. Zu dieser Sendung wurde Zitat:
das Interview mit einem Foto der Band auf der 1LIVE-Homepage veröffentlicht.
Auch als ich diese Seite besuchte, musste ich feststellen, dass der Verweis auf den Urheber des Fotos fehlte. Ich schrieb also eine Mail und bekam einen Tag später die Antwort, die Namensnennung sei hinzugefügt worden. Als ich mir die Seite ansah, war aber nirgends ein Hinweis zu finden. Nicht im Mouse-Over des Bildes noch sonst irgendwo. Ich schrieb also erneut eine Mail. Diese blieb dann unbeantwortet.
Ich sah schon das gleiche Spiel wie mit der BILD auf mich zukommen, mit dem Unterschied dass eine Änderung des Onlineangebots weitaus weniger aufwändig wäre als bei einer bereits gedruckten Zeitung. Verärgert schrieb ich ein drittes Mal und bat darum einen Verweis hinzufügen, da ich dies als Verletzung meiner Rechte als Urheber empfand.
Die Reaktion war dann, dass man alle Links auf das Interview mit Metrophon von der Seite entfernte. Super, jetzt war ich natürlich der Band gegenüber der Buh-Mann. Daraufhin schrieb ich, man solle die Seite doch bitte wieder online stellen. Wenn das Hinzufügen meines Namens ein derartiges Problem sei, solle man ihn weg lassen. Die Antwort war folgende:
Zitat:
In einer letzten Rückmeldung zum Thema betont die Redaktion noch einmal ausdrücklich, dass der Fotocredit im Mouseover eingefügt war, wie das bei allen Fotos auf unserer Homepage der Fall ist. Sie sind bisher der erste Fotograf, der sich seit Einführung dieses Verfahrens vor zehn Jahren jemals darüber beschwert hat.
Ich war doch recht verwirrt. Ich hatte bisher von niemandem einen derartigen Hinweise erhalten und schon gar nicht "noch einmal." Den Mouse-Over hatte ich doch überprüft. Da ich noch den direkten Link zu der Seite hatte, versuchte ich es erneut und fand im Mouse-Over keinen Hinweis auf den Urheber. Kurz bevor ich die Antwort an die Redaktion abschicken wollte überprüfte ich noch einmal den Quelltext der Seite und durchsuchte ihn nach meinem Namen - bingo. Im Alt-Tag des Bildes fand ich den Namen..
In einer weitern Mail, die mir von einem bisher unbekannten Mitarbeiter geschickt wurde, hieß es:
Zitat:
Wie mein Kollege Herr K. [Anm. zensur durch mich] und ich Ihnen bereits mehrfach mitgeteilt haben, haben wir den Fotocredit sofort nach Ihrer ersten Kontaktaufnahme so angefügt, wie wir das bei allen Fotos auf unserer Seite tun (ein Online-Standard des Westdeutschen Rundfunks, nebenbei bemerkt), nämlich im Alt-Text, der zu sehen ist, wenn man mit der Maus über das Bild fährt. Da Ihnen dies anscheinend nicht ausreichte, haben wir zunächst alle Verlinkungen auf die Metrophon-Seite entfernt und nun schließlich auch noch das Bild in der Seite selbst.
Das ist nur fast richtig, wie ich in meiner Antwort aufklärte. Ich zitierte hierzu SelfHTML:
Zitat:
Der Internet Explorer zeigt den Alternativtext als Tooltip an, wenn man mit dem Mauszeiger länger über der Grafik verweilt. Dieses Verhalten ist zwar nicht verboten, stört aber häufig den Seitenautor. Und es verleitet zu der Annahme, das alt-Attribut wäre für diesen Tooltip grundsätzlich zuständig, was aber vollkommen falsch ist. Wenn Sie ihre Grafiken mit erklärenden Tooltips versehen wollen, nutzen Sie das Attribut title.
Weder Apples Safari, noch Mozilla Firefox, noch Opera (welchen ich verwende) verhalten sich hier wie der Internet Explorer. Die Folge: Nur die Benutzer von Mircosofts Browser bekommen die Namensnennung zu sehen. Außerdem ging es nie darum, dass mir diese Form der Namensnennung nicht genug gewesen wäre. Irgendeine Form, die ich gefunden hätte, hätte mich sofort zufrieden gestellt. Wie gesagt, war ich ja letztlich sogar bereit gänzlich zu verzichten.
Bis heute ist die Seite der Band nicht wieder verlinkt worden. (nochmals meine Entschuldigung an die Jungs von Metrophon). Auf meine klärende Antwort, dass ich nie derartige Hinweise erhalten habe und die Namensnennung in dieser Form für Benutzer anderer Browser nicht sichtbar ist, habe ich bis heute keine Antwort erhalten.
Ich glaube kaum, dass sich irgendetwas an den "Online-Standards des Westdeutschen Rundfunks" geändert hat. Dennoch sollte sich die zuständige Redaktion vielleicht überlegen, sich nach etwas besser informierten Technikern umzusehen, denn die Onlineressource SelfHTML sollte jedem, der mit HTML zu tun hat, bekannt sein.
Vermeidungsstrategien
Nach einem Gespräch mit einem Anwalt habe sich für mich zwei Möglichkeiten herauskristalisiert, wie ich solchem Ärger vorbeugen kann.
- Ich verzichte auf eine Namensnennung, oder
- ich versehe das Bild gleich selber mit einer bzw. schicke eine explizite und unmissverständliche Notiz mit, dass die Verwendung des Bildes ohne Namensnennung nicht gestattet ist.
Meines Wissens ist es den Redaktionen in keinem Fall gestattet, Bilder ohne Namensnennung zu verwenden, wenn sie dazu nicht autorisiert sind. Aber wie ich gemerkt habe, scheint das häufig niemanden zu interessieren bzw. es wird einfach darauf verzichtet sich über die Nutzungsbedingungen zu informieren. Diesen Eindruck bestätigte mir auch ein befreundeter freier Journalist:
Zitat:
Wenn kein Bild in der Datenbank existiert, wird häufig einfach gegoogelt.
Letztendlich ärgere ich mich weniger über die fehlenden Namensnennungen als über den schlechten Stil der Redaktionen und den unfreundlichen Umgangston.
Verwandte Artikel auf Click:
- Fotokalender 2008 der Düsseldorfer Universität und Fachhochschule
- Mein Foto für den Kalender: Heimlich auf der Toilette
- Fotokalender die zweite: Mein Foto in der BILD-Zeitung und mehr
Links zum Thema:
Querverweise (Trackbacks) |
Trackback-Adresse http://click.blogage.de/trackback/add/2365
Noch keine vorhanden.
Die Bildagentur Getty scannt das Web gnadenlos durch und schickt gesalzene Rechnungen, wenn jemand Bildmaterial ungefragt verwendet. Das wissen auch die Bildredakteure der Verlage - und darum machen Sie so etwas schon gar nicht. Aber mit den kleinen "Homepageknipsern" kann man das ja machen, denn die checken ja sowieso nichts. LEUTE - WHERT EUCH DAGEGEN, LASST EUCH NICHT FÜR DUMM VERKAUFEN!!
http://www.freelens.com/freelens-magazin-05/spi...
http://photopool.typepad.com/photopoolblog/rech...
In dieser Richtung durfte ich vor Gericht schon einschlägige Erfahrungen sammeln. Unsere Gesetzestexte sind klar und eindeutig, aber wenige Richter scheinen jemals das Urheberrecht gelesen zu haben. Bis zum Termin beim Senat des OLG Frankfurt hatten sich bei einem Streitwert von DM 650,- Gerichtskosten in Höhe von DM 10.000,- angehäuft. Sprich: Recht haben und Recht bekommen sind 2 Paar völlig verschiedene Schuhe. Wer klagt, sollte sich also sehr gut überlegen, ob er sich - obwohl das Recht im Sinne des Gesetzes auf seiner Seite ist - im Zweifelsfall die Gerichtsgebühren leisten kann. Das wissen natürlich auch die Verlage und gehen entsprechend lasch mit Urhebervermerken um.
Übrigens betrifft das nicht nur Fotos, sondern auch Texte. Werft mal einen Blick in meinen blog "Neues ausse Lähranstalt" http://hauptschule.blogage.de
Wer trotzdem klagen möchte - zuständig für Urheberrecht ist immer das Oberlandesgericht OLG, nicht das Amtgericht - unabhängig von der Höhe des Streitwerts.
Das Raubrittertum hat Hochkonjunktur!
Ob nun an der Zapfsäule oder bei den Copyrights bzw. Honoraren für Fotografen.
Dem einfachen Bauern werden die Daumenschrauben angelegt...soll er doch klagen.
Wie weit werden sie uns knechten?
Lasst uns unsere Wunden lecken und daraus lernen.
Es wird Zeit das wir uns bewaffnen und uns gegen diese Piraten wehren.
Wie???
Das überlasse ich Eurer Phantasie, denn wir sind ja Kreative...
@ Frau Hase
Ich habe vor vielen Jahren mit dem OLG Frankfurt genau die gleichen Erfahrungen gemacht. Totale Inkompetenz und letztlich dann ein dem Beklagten gegenüber unverantwortliches Verhalten, da er plötzlich Verfahrenskosten von über 10.000,- DM berappen musste, da sich erst nach 8 Jahren! Prozessdauer beim letzten Termin plötzlich heraus stellte, dass er leider keine Chance hatte (Rechnungsforderung war damals auch lediglich 850,- DM).
@ sniker
leider ist mit fortschreitender Vereinfachung des Web (CMS) der Redaktuer einerseits oft überfordert. Der stellt einfach über das angebotene Interface Beiträge ins Web und weiß über die Technik nichts, geschweige denn über den Unterschied zwichen alt- und title-tag.
Andererseits ist das Problem nicht neu oder webspezifisch und scheinbar ein ur-deutsches.
Schlag einmal ausländische Medien auf - an jedem Bild ist ein Urheber Hinweis und ich glaube, solange wir in Deutschland nicht konsequent jeden Verstoß per Anwalt verfolgen, ändert sich nichts.
Das Urheberrecht ist jedenfalls eindeutig:
Keine Abbildung ohne Urheber Nachweis!
Das ganze Thema ist vor dem Hintergrund der ständig sinkenden Vergütungen für Fotomaterial umso ärgerlicher.
P.S.: Es reicht übrigens bei weitem nicht einen Hinweis in ein alt- oder title-tag zu schreiben. Der Hinweis auf die Authorenschaft muss ohne Umwege erkenntlich sein.
Also dass es doch so unüberlegt in der Abmahn-Gesellschaft des deutschen Landes zugeht, hätte ich nicht gedacht. Sonst bekommt man wegen jedes noch so kleinen "Vergehens" eine Abmahnung, und in so einem Fall, wo wirklich Medienwirksam Bilder "gestohlen" werden, stellen sich alle stur.
Ich könnte mir vorstellen, wenn Sie irgendwelche Bilder der Medien ohne irgendeinen Hinweis auf den Urheber auf ihrer Seite veröffentlicht hätten, wäre sofort ein Schreiben vom Anwalt, oder eben direkt eine teuere Abmahnung ins Haus geflattert...
Ingo
Hi
in deinem Blog werden bei mir sämtliche Umlaute als komische Zeichen dargestellt.
Anstatt einem o mit Pünktchen steht nur so was da wie “ö”…
Ist da was mit deiner Zeichensatzcodierung im Blog durcheinander gekommen,
oder liegt das eventuell an meinem Rechner?
tschau
Hallo Ohrensesselmann,
das ist in der Tat seltsam. Eigentlich sollte alles UTF-8 kodiert sein. Welchen Browser benutzt du denn?
Viele Grüße
Frederik









sofias
ehrlich gesagt habe ich von den alt-tags ach immer erwartet das sie einen tooltip erzeugen.. | und hab mich geärgert wenn sie es nicht machen |
ich fänd das nur logisch, es macht für mich zumindest wenig sinn sie entgültig zu verstecken nur weil man sich die bilder anzeigen lässt..
ansonsten: ist sicherlich ärgerlich wenn ein eigenes bild in der müllpresse abgedruckt wird |
ist auch nachvollziebar das man denen jetzt mit der copyright-keule eine reinwürgen will, aber ich denke das haben schon andere versucht.. |
für leute die sich keinen abmahn-anwalt leisten können ist das urheberrecht halt ein verlustgeschaft